Herr K. versucht Ordnung zu schaffen
(ein fortlaufender Versuch, Folge 1)
Herr K. beschloss an einem Dienstag,
dass es so nicht weitergehen konnte.
Nicht mit den Wegen.
Nicht mit den Zeiten.
Und ganz sicher nicht mit den Zuständigkeiten.
Er hatte inzwischen akzeptiert,
dass er in Humoriana war.
Was er nicht akzeptierte:
dass niemand wusste,
wer hier eigentlich wofür verantwortlich war.
Also begann er mit einer Liste.
Punkt 1: Wege ordnen.
Er ging zu Clara,
die gerade neue Umwege auf den Marktplatz malte.
„Diese Linien“, sagte Herr K.,
„müssen irgendwohin führen.“
Clara schaute ihn an.
Dann den Boden.
Dann malte sie eine Linie,
die genau vor seinen Schuhen endete.
„Tun sie“, sagte sie.
„Manchmal nur zurück.“
Herr K. strich Punkt 1 nicht durch.
Er unterstrich ihn doppelt.
Aus Prinzip.
Punkt 2: Zuständigkeiten klären.
Er suchte das Rathaus.
Man hatte ihm gesagt,
es höre mehr zu als es entscheide.
Das wollte er überprüfen.
Im Rathaus saßen drei Menschen
und hörten einer vierten Person zu,
die nichts sagte.
„Wer ist hier zuständig?“ fragte Herr K.
Alle schauten sich an.
Dann zu ihm.
Dann wieder zueinander.
„Kommt drauf an“, sagte jemand schließlich,
„was Sie loswerden möchten.“
Herr K. verließ das Gebäude
mit exakt derselben Anzahl an Antworten,
mit der er gekommen war.
Punkt 3: Zeitpläne einführen.
Er traf Jonas,
der gerade eine Uhr reparierte,
die zu spät dran war.
„Wie spät ist es?“ fragte Herr K.
Jonas drehte an der Uhr.
„Kommt drauf an,
wofür.“
Herr K. atmete tief durch.
Sehr tief.
Zu tief für jemanden,
der eigentlich nur einen Zeitplan wollte.
Punkt 4: Ordnung im Alltag.
Er setzte sich zu Oskar auf die Bank.
„Sie sitzen hier jeden Tag“, sagte Herr K.
„Warum?“
Oskar dachte kurz nach.
Dann sagte er:
„Weil es funktioniert.“
Herr K. sah sich um.
Niemand rannte.
Niemand schien etwas zu verpassen.
Das machte ihn nervös.
Am Abend saß Herr K. am Lachlach.
Seine Liste war voll.
Mit Häkchen.
Aber nichts war erledigt.
Der Fluss gluckste.
Nicht spöttisch.
Eher ermutigend.
„Ich bring hier noch Ordnung rein“,
murmelte Herr K.
Der Fluss antwortete nicht.
Aber er trat ein kleines bisschen über die Ufer.
Nur so viel,
dass Herr K. seine Schuhe ausziehen musste.
Zum ersten Mal lachte Herr K.
Kurz.
Überrascht.
Ungeplant.
Er schrieb es nicht auf.
Und genau da
begann sein eigentliches Scheitern.