Anna war früh wach.
Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil im Archiv jemand eine Schublade nicht richtig geschlossen hatte.
Das hörte man.
Nicht laut – aber vorwurfsvoll.

Während Anna vergessene Gedanken alphabetisch nach „später“ sortierte, kam Paul über die Brücke.
Er blieb stehen, wie immer.
Nicht weil etwas kaputt war, sondern um zu prüfen, ob sie noch trug.
Sie tat es.
Also blieb er noch einen Moment.

Am Flussufer kochte Mila Tee.
Der hatte keine Eile.
Sie auch nicht.
Jonas saß daneben und reparierte eine Uhr, die zu früh gewesen war.
Er drehte sie vorsichtig zurück.
Zeit beschwerte sich nicht.

„Kommt ihr heute?“ rief Clara, die gerade begann, neue Umwege auf den Marktplatz zu malen.
Der alte Weg hatte sich bewährt,
also musste er dringend verwirrt werden.

Ben kam vorbei, mit Erde an den Händen.
Er pflanzte Hoffnung an eine Stelle,
an der gestern noch niemand gesucht hatte.
„Wächst das hier?“ fragte er.
„Mal sehen“, sagte die Erde.

Lena öffnete einen Brief, den niemand abgeschickt hatte,
und Tom notierte das Geräusch, das entstand,
als der Umschlag aufging.
„Klingt nach vorsichtig“, sagte er.
Alle nickten.

Später putzte Marie ein Fenster,
durch das man plötzlich etwas anderes sah als vorher.
Niemand wusste genau was,
aber es fühlte sich richtiger an.

Leo, der Nachtwächter, war noch da.
Er hatte vergessen zu gehen.
Oder beschlossen zu bleiben.
In Humoriana ist das kein Unterschied.

Am Ende saßen sie alle kurz am Lachlach.
Der Fluss gluckste.
Nicht spöttisch,
eher verständnisvoll.

Niemand hatte etwas Großes erledigt.
Aber alles war an seinem Platz.
Auch das Unfertige.

Und so ging der Vormittag vorbei.
Unauffällig.
Erfolgreich.
Typisch Humoriana.