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Die zehnte Tasse im Café

Ein Stammgast, ein Fensterplatz und die unauffällige soziale Infrastruktur eines kleinen Cafés.

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Im Café Lachblick sitzt Herr Aydin fast jeden Vormittag am Fenster. Er bestellt Kaffee, liest die Zeitung und kennt die Namen der meisten Menschen hinter dem Tresen.

Nach dem Tod seiner Frau wurde aus der gelegentlichen Tasse eine tägliche Gewohnheit. Niemand machte daraus ein Thema. Irgendwann stand sein Kaffee häufig schon bereit, bevor er die Jacke ausgezogen hatte.

Als das Café wegen Renovierung zehn Tage schloss, fragte die Betreiberin bei der benachbarten Bäckerei, ob Herr Aydin dort „vorübergehend übernommen“ werden könne. Es war halb Scherz, halb Fürsorge.

Städte brauchen Begegnungsorte, die in keinem Sozialplan stehen. Orte, an denen Anwesenheit auffällt – und Abwesenheit auch.

Lokale Zuständigkeit: Manche Menschen wechseln für zehn Tage das Café. Sie wechseln deshalb noch lange nicht den Stammplatz.