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Die Kaffeetasse mit Stammplatz

Eine einzelne Tasse bekam einen reservierten Platz im Café – obwohl ihr Besitzer jeden Tag woanders saß.

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Markt, Bäcker & Begegnungen

Im Café Morgenrot trank Herr Petermann seit Jahren denselben Filterkaffee aus derselben dicken weißen Tasse. Nicht aus Prinzip, sondern weil sie zufällig gut in der Hand lag. Eines Morgens stellte die Besitzerin ein kleines Schild unter die Tasse: „Stammplatz reserviert.“

Herr Petermann setzte sich ausgerechnet an einen anderen Tisch. Die Tasse blieb trotzdem auf ihrem Platz. Am nächsten Tag tauschte ein Gast heimlich das Schild gegen „Tasse heute im Außendienst“. Am dritten Tag stand dort „Homeoffice“.

Eine Woche lang bekam die Tasse jeden Morgen einen neuen Status. „Fortbildung“, „Dienstreise“, „in Besprechung“. Niemand wusste genau, wer die Zettel schrieb. Das Café ließ das Spiel laufen.

Dann nahm Herr Petermann die Tasse, setzte sich wie immer ans Fenster und schrieb selbst einen Zettel: „Wieder im Dienst.“ Seitdem steht das Schild im Regal. Kleine Rituale sind vielleicht nur Gewohnheiten, bis mehrere Menschen anfangen, auf sie zu achten.

Humoriana merkt an: Stadtleben passiert dort, wo Menschen einander nicht geplant begegnen – oft mit Tüte, Tasse oder Einkaufskorb in der Hand.