Am südlichen Lachlachufer steht eine Bank unter einer alten Linde. Sie hat keine besondere Form, keinen berühmten Spender und keine Plakette. Trotzdem ist sie fast nie wirklich leer.
Morgens sitzt dort häufig Herr Riemer mit einer Thermoskanne. Gegen Mittag kommen Beschäftigte aus dem Gewerbegebiet, später Eltern mit Kinderwagen, Jugendliche mit Fahrrädern und Menschen, die eigentlich nur fünf Minuten bleiben wollten. Wer regelmäßig vorbeikommt, kennt die stillen Regeln: Man rückt ein Stück, wenn jemand Platz sucht, und man fragt nicht sofort, warum jemand allein dort sitzt.
Als der Betriebshof die Bank vor einigen Jahren wegen morscher Bretter abbauen musste, dauerte es keine zwei Tage, bis im Rathaus die ersten Anfragen eingingen. Ob die Bank wiederkomme. Wann. Und warum ausgerechnet jetzt. Der Vorgang war verwaltungstechnisch unspektakulär: zwei neue Bretter, neue Schrauben, Holzschutz, fertig. Für manche Menschen war es offensichtlich mehr.
Heute steht sie wieder dort. Etwas gerader als früher und mit einer Lehne, die der Betriebshof als „ergonomisch verbessert“ bezeichnet. Herr Riemer nennt sie schlicht „die neue alte Bank“.
