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Die Bäckertüte mit „amtlichem“ Stempel

Ein Kartoffelstempel machte aus einer Brötchentüte kurzzeitig ein erstaunlich wichtig wirkendes Dokument.

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Beim Ferienprogramm schnitzten Kinder Kartoffelstempel. Einer zeigte ein krummes „H“, ein anderer einen Kreis mit drei Punkten. Auf dem Rückweg kaufte die Gruppe Brötchen. Irgendjemand stempelte eine leere Tüte mit dem Kreis und schrieb darunter: „Amtlich geprüft: knusprig.“

Die Bäckerin stellte die Tüte ins Schaufenster. Am nächsten Morgen fragten zwei Kunden, ob das ein neues Qualitätssiegel sei. Sie erklärte geduldig, dass die Stadt Humoriana bisher keine Hoheitszeichen für Brötchen eingeführt habe.

Der Scherz entwickelte ein Eigenleben. Für eine Woche bekamen Kinder auf Wunsch einen kleinen Stempel auf ihre Papiertüte – eindeutig als Ferienaktion gekennzeichnet. Erwachsene fragten häufiger danach als Kinder.

Danach verschwand der Kartoffelstempel, wie Kartoffeln das irgendwann tun. Geblieben ist die Erkenntnis, dass ein Kreis auf Papier erstaunlich offiziell wirken kann. Vielleicht ist genau deshalb echte Kennzeichnung etwas, mit dem man sorgfältig umgehen sollte.

Humoriana merkt an: Stadtleben passiert dort, wo Menschen einander nicht geplant begegnen – oft mit Tüte, Tasse oder Einkaufskorb in der Hand.