Rathaus mit Augenzwinkern
In einer Schublade des Bürgerbüros lag ein alter, längst ungültiger Rundstempel. Jemand hatte auf ein Blatt zwei Punkte über einen Abdruck gemalt, sodass aus dem Kreis ein Gesicht wurde. Das Blatt wanderte an die Pinnwand im Pausenraum.
In den folgenden Tagen bekam das Gesicht wechselnde Sprechblasen: „Unterlagen vollständig!“, „Kaffee genehmigt“ oder „Anlage 3 fehlt, aber der Optimismus ist da.“ Die Zettel blieben selbstverständlich im Pausenraum und hatten mit echten Dokumenten nichts zu tun.
Eines Tages sah eine neue Kollegin die Sammlung und sagte, sie habe sich Verwaltung immer viel ernster vorgestellt. Die Antwort lautete: „Die Arbeit ist ernst. Wir müssen es nicht jede Minute sein.“
Der alte Stempel wurde später fachgerecht ausgesondert. Das gezeichnete Gesicht blieb als Foto an der Pinnwand. Manchmal ist Professionalität gerade die Fähigkeit, zwischen Verantwortung und Verbissenheit zu unterscheiden.
