An der Haltestelle Rathausplatz wollte der Bus gerade anfahren, als der Fahrer im Spiegel eine ältere Frau sah, die langsam über den Platz kam.
Er wartete. Zehn Sekunden, vielleicht zwölf. Hinter ihm blickte jemand auf die Uhr. Vorne stieg die Frau ein, bedankte sich außer Atem und setzte sich. Der Bus erreichte die nächste Haltestelle trotzdem planmäßig.
Solche Entscheidungen stehen in keinem Fahrplan. Sie lassen sich auch schlecht in Kennzahlen abbilden. Öffentlicher Verkehr braucht Pünktlichkeit, Anschlüsse und verlässliche Abläufe. Er braucht aber auch Menschen, die erkennen, wann zehn Sekunden nicht nur zehn Sekunden sind.
Später schrieb die Frau dem Verkehrsunternehmen eine kurze Nachricht. Nicht als Beschwerde, sondern als Dank. Der Fahrer bekam sie ausgedruckt in sein Fach gelegt.
