Rathaus mit Augenzwinkern
Vor einer öffentlichen Ausschusssitzung hing an der Tür des Ratssaals plötzlich ein Ausdruck: „Beginn heute leider pünktlich um 18.00 Uhr.“ Schriftart, Papier und Formulierung wirkten halb amtlich und halb verdächtig. Niemand wusste, wer ihn aufgehängt hatte.
Die Wirkung war beeindruckend. Um 17.50 Uhr saßen fast alle Mitglieder an ihren Plätzen. Zwei Besucher waren bereits da. Selbst der sonst regelmäßig in letzter Minute eintreffende Herr Bender stand um 17.56 Uhr im Raum und fragte misstrauisch, ob die Uhr richtig gehe.
Die Sitzungsleitung nahm das Schild ab, legte es auf den Tisch und begann um exakt 18.00 Uhr. Später stellte sich heraus, dass eine Mitarbeiterin aus dem Vorzimmer nach drei verspätet begonnenen Sitzungen in Folge einen kleinen pädagogischen Impuls hatte setzen wollen.
Der Aushang war natürlich keine offizielle Kommunikationsstrategie. Aber seitdem beginnen die Sitzungen auffällig oft pünktlich. Manche Verwaltungsreformen brauchen offenbar weder Fördermittel noch Projektgruppe, sondern nur einen Drucker.
