Im Lesesaal des Stadtarchivs gibt es ein schmales Fenster zum Innenhof. An einem Regentag saß dort eine Schülerin und las in Ratsprotokollen aus den 1950er Jahren.
Sie suchte Material für eine Facharbeit über den Wiederaufbau. Zwischen wichtigen Beschlüssen fand sie lange Diskussionen über eine Bushaltestelle, die Verlegung eines Briefkastens und Beschwerden über einen zu frühen Müllwagen.
Sie musste lachen. Nicht, weil die Themen unwichtig waren. Sondern weil sie so vertraut klangen.
Geschichte besteht nicht nur aus großen Ereignissen. Archive bewahren auch die kleinen Reibungen des Alltags – und zeigen damit, dass jede Generation überzeugt ist, manche Probleme seien ganz neu.
